8 typische Sprüche, die Designern weh tun

Liebe Designer. Das ist ein Artikel für euch. Und für Menschen, die Designer beauftragen. Achtung: Dieser Artikel kann Spuren von Ironie enthalten.

Inspiriert vom Artikel Weniger ist nicht mehr, bei dem Andreas Homann die aktuellen Arbeitsbedingungen für Designer hinterfragt, möchte ich seine Liste um weitere erstaunliche bis schrecklich schöne Sätze erweitern.

Typische Sprüche an Designer – und wie sie reagieren können

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1. „Der Pitch ist unbezahlt. Du bekommst den Job aber, wenn wir gewinnen!“

Das klingt gut – vor allem für euch.

Für Agenturen lohnen sich Pitches, wenn sie ab und zu den Pokal nach Hause holen. Für Einzelkämpfer ist dies allerdings oft eine schlechte Option. Ich habe damals als Festangestellte auch an Pitches teilgenommen – und zwar nicht in meiner Freizeit.

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2. „Ich habe das Logo schon fertig gezeichnet. Musst du nur umsetzen!“

Hach, da freue ich mich immer ein bisschen (Ironie Ende). Ich habe schon mal eine Zeichnung von einem Hund erhalten, der an den Eiffelturm pinkelt. Das sollte das Logo werden.

Nun ja, ich nehme jede Anfrage ernst und beantworte sie gerne. Oft wissen die Leute eben nicht, wie z. B. eine Logo-Entwicklung abläuft und das muss man erklären.

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3. „Du kannst das einfach von hier und hier kopieren. Geht dann auch schneller!“

Was gefällt an dem Beispiel? Warum gefällt es? Hinterfragen ist das A und O. Klar lassen sich Designer inspirieren. Aber dann muss etwas Anderes, Neues entstehen. Ich habe ja einen Gestaltungsauftrag – ich bin kein Kopiergerät. Einfach nachmachen? Nö, mach ich nicht.

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4. „Du kannst mehrere Entwürfe schicken. Wir wählen einen aus – und den bezahlen wir dann.“

Besonders in der Textilbranche scheint Crowdsourcing Gang und Gäbe zu sein. Und warum? Weil es Designer mitmachen.

Jetzt wird sich der ein oder andere Designer aufregen. „So ist die Branche nunmal.“ Und möchtest du, dass sie so bleibt? Ich verzichte lieber auf einen Auftrag, als unter Bedingungen zu arbeiten, die ich als unfair empfinde – mir gegenüber und der gesamten Branche.

Eine Logo-Entwicklung zum Beispiel ist ein Prozess, in dem der Kunde mit eingebunden ist: Verschiedene Entwürfe werden in mehreren Schleifen gestaltet und abgestimmt. Kein Baukasten-System. Ich schöpfe nicht aus einem Archiv, sondern entwickle bei jedem Projekt ein individuelles Design. Dumping-Plattformen, wo der Auftraggeber glaubt, ein individuell gestaltetes Logo koste 100 Euro, helfen da wenig. Ich sag nur: Einfach nicht mitmachen.

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5. „Könntest du dem Angebot schon ein erstes Layout beifügen? Das macht die Entscheidung zwischen den 10 Angeboten leichter.“

Vorleistungen, noch bevor der (eventuell unwahrscheinliche) Auftrag eingetütet ist – unbezahlt? Lass mich überlegen … nein.

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6. „Wie, 60, 70, 80 € die Stunde? Na dann musst du ja nur vier Tage im Monat arbeiten!“

Wer mit einem Stundenlohn von unter 50 € in die Selbständigkeit startet, hat nicht richtig gerechtet.

Es ist leider nicht so, dass Designer den ganzen Tag nur gestalten. Ein großer Teil der Zeit geht für Kommunikation, Akquise, Buchhaltung, Angebote schreiben, eigenes Marketing wie Blog, Webseite, Werbematerial, Netzwerkpflege und die eigene Weiterbildung ab. Hinzu kommen Steuern, Rente, Versicherungen … Klar, einen Teil des Aufwands kann man abgeben – aber eben nicht alles.

Ich kenne einige Design-Kollegen, die richtig gute Arbeit machen und dafür nicht ausreichend entlohnt werden. Leute, verkauft euch nicht unter Wert!

Je nach Erfahrung sollte sich der Tagessatz erhöhen. Immer auf dem selben Stand bleiben? Das wäre ja so, als würde man in der Festanstellung ein Gehalt verhandeln und es dann jahrelang so belassen. Macht doch auch keiner.

Wenn man 60 Stunden und mehr die Woche arbeiten möchte, immer unter Druck, immer den Auftraggeber im Nacken – klar, dann geht es auch günstiger. Ich möchte das nicht. Das habe ich das ein oder andere Mal schmerzhaft gelernt.

Beim Ermitteln des eigenen Stundenlohns hilft übrigens das E-Book Design kalkulieren. Auch ein Blick in den AGD Vergütungstarifvertrag für Designleistungen lohnt sich. Auch das Buch Parcours – Existenzgründung für Designer hat mir damals den Start erleichtert.

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7. „Machst du mir einen Freundschaftspreis? Ich kenne dich doch über 152 Ecken!“

Entweder ich arbeite ehrenamtlich, z. B. für tolle Projekte wie The Good Food oder Willkommen in Nippes – oder gegen faire Bezahlung. Alles dazwischen mache ich nicht (mehr) und ist teilweise einfach unprofessionell. Andersrum verlange ich das auch nicht von anderen. Ich lebe nicht geldfrei (siehe Punkt 6) – auch wenn ich Menschen wie Raphael Fellmer dafür sehr bewundere.

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8. „Das wär doch eine tolle Referenz für dich!“

Wenn Designer für diese Aussage Geld bekämen, wäre das die bestbezahlteste Branche der Welt. Natürlich ist es schön, ein tolles Projekt mit Stolz zeigen zu können. Aber das sollte nicht das einzige Argument für ein Projekt – oder noch besser: für eine geringe Bezahlung – sein.

Sind denn jetzt die Kunden schuld?

Nein, nein, keineswegs. Wir als Designer haben es in der Hand. Oft haben wir einen Aufklärungsauftrag. Wir prägen so die Wertschätzung für gutes Design. WIR. Es ist absolut ok zu sagen: Nö, mach ich nicht. In netten Worten natürlich :)

Fotos: Gratisography

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