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Auch Text will gestaltet werden

Jeden Tag lesen wir online Texte. Oft merken wir es nicht bewusst – wir stocken beim Lesen oder brechen ab. Warum? Entweder es liegt am Inhalt (da bin ich nicht die Expertin) oder weil der Text nicht gut gestaltet wurde. Was das heißt und wie das geht, erfährst du hier.

Ich habe mehrere Jahre in einer Redaktion gearbeitet.

Das ist hier schon ein Running Gag, wenn ich glaube, etwas besser zu wissen. Diese Erfahrung macht mich aber leider nicht zu einer begnadeten Texterin (schade).

Aber: Als Designerin weiß ich, wie man Texte im Internet „gestaltet“. Damit meine ich nicht die Textgestaltung während des Designsprozesses, sondern das, was jeder Redakteur oder Blogger in der Hand hat: Für eine bessere Lesbarkeit, um den Inhalt verständlich zu vermitteln, für ein professionelles Erscheinungsbild, für Suchmaschinen. Aber in erster Linie für Menschen. Und das kann jeder lernen.

Texte richtig schreiben

Bevor es an die Gestaltung geht: Texte sollten richtig geschrieben sein. Eigentlich klar. Für viele nicht so einfach, vor allem in privaten Blogs. Doch es gibt Hoffnung: einfach die Rechtschreibprüfung eines Textprogramms oder CMS nutzen. Das geht!

Ein paar Klassiker:

  • Es heißt Galerie, nicht Gallerie. Hat nichts mit der Galle zu tun. Im Englischen ist Gallery korrekt.
  • Das Gleiche gilt für Adresse, da rutscht gern ein D mehr hinein.
  • Dass und das: Immer noch so oft falsch. Da stocke ich sofort beim Lesen. Hier ein paar Beispiele.
  • Seit und seid: Auch das ist nicht schwer, hier notfalls ein paar Übungen.
  • Standart hat nichts mit Kunst zu tun! Sollte Standard sein.
  • Keine Deppen Leerzeichen (wo eigentlich ein Bindestrich hingehört)
  • Auf Buttons oft zu sehen: Schliessen. Da klicke ich dann immer ganz schnell.

Eines meiner liebsten Themen, wenn es um die deutsche Rechtschreibung geht: Kommasetzung. Ich habe das nicht studiert, behaupte aber, Kommas zu 95% richtig zu setzen. Denn schließlich spreche und schreibe ich gerne in Schachtelsätzen :)

Texte sinnvoll gliedern

Eine sinnvolle Gliederung strukturiert den Text, macht ihn für das Auge „scannbar“. Das heißt:

  • Eine kurze Einleitung sollte Spannung erzeugen und einen Überblick geben, um was es im folgenden Text geht
  • Sinnvoll in Absätze einteilen, damit keine Textwüste entsteht
  • Alle Texte freuen sich über Zwischenüberschriften
  • Im Internet lieber kurze Sätze als lange

Texte sauber formatieren

Damit sich der Leser gut zurecht findet und gerne liest, sollten Texte sauber formatiert sein. Hierfür müssen die Formatierungen einheitlich sein. Sie sind auch wichtig für die Suchmaschinenoptimierung.

Bereits definierte Textformatierungen

Schriftarten, die Textausrichtung (z. B. linksbündig), die Größe und die Schriftfarben wurden bereits bei der technischen Entwicklung im CSS angelegt und sollten nicht in Einzelbeiträgen geändert werden. Da hat sich der Designer schon etwas bei gedacht :)

Ein Tipp für WordPress-Nutzer: Ich richte nicht nur bei Kunden-Projekten gerne das Plugin TinyMCE Advanced ein. Mit diesem Tool lässt sich die Werkzeugliste entschlacken. So können viele Formatierungsfehler gar nicht erst entstehen (z. B. Textfarbe ändern).

Absatzformate

Absatzformate wurden schon vom Designer gestaltet und vom Entwickler festgelegt. Sie müssen also nur noch angewandt werden.

Normaler Fließtext wird als Absatz definiert. Zwischenüberschriften strukturieren den Text inhaltlich und optisch. Zu viele Hierarchien können verwirren, im Normalfall reichen Überschrift 2 und Überschrift 3. Überschriften werden niemals durch eine bloße Fettstellung formatiert. Nie nie nie.

Für WordPress gilt: Die Überschrift 1 wird nicht im Beitrag gesetzt, da der Titel der Seite für gewöhnlich schon als solche vordefiniert ist und nicht zweimal verwendet werden darf (für SEO wichtig).

Hervorhebungen (fett, kursiv, unterstrichen)

Nur ein Wort oder wenige Wörter werden fett hervorgehoben – nicht ganze Sätze. Sonst nimmt der Besucher die Hervorhebung nicht mehr wahr. Die Ausnahme bildet die Einleitung am Beginn des Artikels.

Kursivstellung am besten wenig oder gar nicht einsetzen. Falsch eingesetzt führen sie oft zu Chaos. Bei Zitaten machen sie Sinn, sind aber schon fertig eingerichtet, wenn es eine Zitat-Funktion gibt.

Unterstreichungen bitte ganz vermeiden, weil sie mit Links verwechselt werden können.

Links

Externe Links sollten in einem neuen Fenster oder Tab geöffnet werden. Sonst wird der Nutzer von der Seite weggeführt. Auch die Optik von Verlinkungen (Link-Farbe, Unterstreichung, s. o.) sind im CSS definiert und sollten nicht manuell geändert werden.

Der Klassiker, das Wort „hier“ zu verlinken, am besten vermeiden – mehrere verlinkte Worte sind deutlich besser „klickbar“. Außerdem sollten lieber die relevanten Worte verlinkt werden.

Wichtige Kleinigkeiten

  • Abstände niemals durch Leerzeichen setzen. Das ist unsauber und kann auf mobilen Geräten ganz anders dargestellt werden („Responsive Webdesign“).
  • Aufzählungen und nummerierte Listen (wie diese hier) werden über die Werkzeugleiste formatiert. Spiegelstriche brauchen daher nicht manuell gesetzt werden.
  • Telefonnummern nach DIN 5008 setzen, dann sind sie auch auch vom Smartphone erkennbar, z. B. so: 0221 123456-7

Zu guter Letzt

Ganz ehrlich: Ich lerne ständig etwas dazu, zum Beispiel bei der Rechtschreibung. Erst seit neustem weiß ich, wann ein Leerzeichen vor drei Punkte kommt und wann nicht … Außerdem füge ich zu viele Füllwörter ein. Aber hey, man lernt ja doch nie aus.

Tipp: Den Text jemandem zum Korrekturlesen geben – auch schon formatiert im CMS. Das mache ich immer und habe es auch mit diesem Artikel gemacht.

Und nun, frohes Text-Gestalten!

Mein Leitspruch bis heute: Weniger, aber besser.
(Dieter Rams)

2 Kommentare

  1. Danke für den informativen Artikel. Super zusammengefasst! Als Grafikerin bin ich ja auch Fan von schön formatierten Texten.
    Die Norm für die Telefonnummern kannte ich noch gar nicht. Sehr aufschlussreich! Beim Schreiben von Blogartikeln bereitet mir die Rechtschreibung immer wieder Kopfzerbrechen – zum Glück gibt’s Google ;)

    • Danke liebe Tamara, das freut mich. Auf deinem Blog habe ich auch gleich gestöbert und schöne Beiträge und Ideen gefunden. Wir scheinen uns ja beide für DIY und „aus alt (bzw. Müll) mach neu“ zu interessieren. Alles Liebe nach Österreich!

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